Duisburg. Auf dem Rücksitz eines Transporters sitzt einer der reichsten Männer Deutschland - zusammengekrümmt und gefesselt.

Um ihn herum zwei Männer in schwarzen Sturmhauben.
Sie haben Theo Albrecht, den ALDI-Gründer, gekidnappt.
Die Kidnapper fordern sieben Millionen Mark, die bis dato höchste Lösegeldsumme der Bundesrepublik.

ARD-Film „Die ALDI-Brüder“ zeigt die bewegende Geschichte hinter dem Discounter-Imperium

Zum Zeitpunkt der Entführung am 29. November 1971 war es gerade zehn Jahre her, dass die Albrecht-Brüder die Bundesrepublik unter sich in Nord und Süd aufgeteilt hatten.
Der Aldi-Äquator war geboren.

Die Entführung ist Dreh- und Angelpunkt des packenden Dokudramas "Die ALDI-Brüder", die am Montagabend, 20.15 auf ARD, läuft.

Der Film zeigt das 17 Tage andauernde Martyrium von Theo Albrecht und lässt ehemalige Weggefährten über die Entstehung des Discounter-Imperiums zu Wort kommen.

So kamen die Brüder zum Imperium
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernehmen die beiden Brüder den Tante-Emma-Laden ihrer Mutter in Essen.
Als Filmkulisse dazu dienten übrigens zwei leer stehende Gebäude in Duisburg-Ruhrort.
Sie wurden in alte Albrecht-Lebensmittelmärkte umgewandelt.

Die findigen Brüder setzen auf Selbstbedienungsmärkte mit ausgewähltem Sortiment und niedrigen Preisen.
Aus vier werden schnell 40 Läden in ganz NRW.

Die Brüder hatten aber auch ihre Eigenarten.
Sie stellten nur Angestellte mit katholischen Glauben ein, wer in der Gewerkschaft ist, bekam die Stelle nicht.

Konkurrenz verachtet Aldi-Methoden
Auch die Konkurrenz hatte zunächst nur Verachtung für die Albrechts übrig.
„Das ist der Untergang des Einzelhandels.
Diese Albrecht-Läden treiben uns an den Rand des Ruins“, ruft ein Mitbewerber im Film bei einer Tagung des Lebensmittelverbands 1953 verächtlich.

Als die Geschäfte in den 50er Jahren nicht rund laufen, handeln Theo und Karl.
Sie stampfen das Sortiment ein, beschränken sich auf sogenannte "Schnelldreher" - Milch, Butter, Kaffee oder Salz.
Sachen, die jeder Haushalt braucht.

„Das ALDI-Prinzip ist aus der Not geboren worden.
Die kleinen Läden, die die beiden Brüder nach dem Krieg aufgebaut hatten in den Arbeitersiedlungen, liefen nicht mehr.
Der ALDI-Diskont ist wirklich als Arme-Leute-Laden entstanden“, verrät Walther Vieth, der als Geschäftsführer den ersten ALDI-Laden eröffnete.

Teilung sorgt für Kontaktabriss
1961 kommt es zur Trennung der beiden Unternehmen.
Karl Albrecht übernimmt den Süden und Theo den Norden.
Zu den Details erfährt der TV-Zuschauer aber wenig.

Doch der Kontakt zwischen den beiden Brüdern reißt offenbar ab.
Karl Albrecht besucht seinen Bruder zwischen der Aufteilung und der Entführung nicht ein einziges Mal.
Durch die Entführung finden sie wieder zusammen, ihre Unternehmen bleiben bis heute getrennt.

„Der Film erzählt die Geschichte zweier Lichtgestalten der deutschen Wirtschaftswundergeschichte - mit zahlreichen Rückblicken in die Kindheit der beiden Brüder und die Zeit des Aufbaus ihres Handelsimperiums", so Regisseur Raymond Ley.

Er hat exklusive Einblicke in die damaligen Gerichtsakten bekommen und den Richter des späteren Prozesses befragt.
Herausgekommen ist eine packende ARD-Doku über das Aldi-Imperium.